Über Aufmerksamkeit

sonntagtstratsch über männliche Aufmerksamkeit lifestyle blog münchen

„Oh Max hat geschrieben!“

Ich verdrehe ich Augen. „Was ist mit diesem Max? Bist du jetzt verknallt?“

„Nee, er hat nur jetzt seit drei Tagen nicht geschrieben und das war irgendwie doof. Sonst schreibt er jeden Tag.“

„Ja aber ich dachte er interessiert dich gar nicht? Jetzt plötzlich doch?“

Sie denkt kurz über meine Frage nach und antwortet dann entschlossen: „Nö. Ich genieße es nur, dass ich mal ein bisschen Aufmerksamkeit von einem Mann bekomme. Es war einfach blöd, als er nicht mehr geschrieben hat.“

Dieses Gespräch zwischen mir und einer Freundin ist exemplarisch und doch bezeichnend. Dass wir Frauen immer die wollen, die wir nicht haben können und die, die sich für uns interessieren, abblitzen lassen, ist ein alter Hut. Ich kenne jedoch das Phänomen, die Aufmerksamkeit eines Mannes irgendwie zu genießen, obwohl wir eigentlich schon wissen, dass wir ihn nicht wollen, nur zu gut. ‚Gemeinheit’, werden jetzt viele sofort sagen, schließlich ist es nicht gerade nett, Männer hinzuhalten, obwohl man nichts von ihnen will. Auf die Frage, ob das nun wirklich gemein und verwerflich ist, werde ich später noch zurückkommen. Um das überhaupt bewerten zu können, habe ich mich aber erst mal gefragt, was uns Frauen dazu bringt, mit Männern zu schreiben und unsere Freizeit mit ihnen zu verbringen, obwohl wir eigentlich gar nichts von ihnen wollen.

Die wahrscheinlich einfachste Antwort auf diese Frage ist ‚Freundschaft’. Wir wollen einfach nur Freunde sein, ohne Hintergedanken und ohne Druck und Zwang. Uns auf einer nicht-sexuellen Ebene mit einem Mann verstehen und mit ihm Zeit verbringen. Dinge besprechen, die wir mit unseren Mädels nicht besprechen können und so vielleicht auch eine andere Sicht auf bestimmte Sachen bekommen. Ich kenne das von mir nur zu gut. Manchmal braucht man einfach eine ‚männliche Meinung’, weil wir Frauen dazu neigen, manche Dinge sehr einseitig zu sehen und wenn einem 4 Freundinnen bei dieser Sichtweise energisch beipflichten, neigt man gerne mal dazu, die Situation nicht mehr ordentlich zu überblicken. Dann kann es gut sein, einfach mal einen Kerl nach seiner Meinung zu fragen.

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Ich persönlich habe trotzdem sehr wenige männliche, heterosexuelle Freunde, was zum einen daran liegen mag, dass ich einfach kein Kumpeltyp bin und zum anderen daran, dass die meisten meiner männlichen Freunde schwul sind. Das hat sich eben so ergeben. Trotzdem habe ich auch heterosexuelle, männliche Freunde und ich kann dieses ‚Aufmerksamkeits-Ding’ so irgendwie nicht bestätigen. Ich fühle mich von diesen Freunden nie vernachlässigt, wenn sie sich mal nicht melden und genieße hier auch nicht die männliche Aufmerksamkeit, weil es eben genau das für mich nicht ist. Es ist irgendwie anders, als es bei einem Mann wäre, den ich date und an dem ich interessiert bin. Ich kann es jedoch trotzdem nachvollziehen, wenn man dieses Gefühl hat.

Unterm Strich ist es eigentlich traurig. Es ist traurig, dass viele meiner Freundinnen schon so lange single sind, dass sie männliche Aufmerksamkeit nicht mehr kennen und es ist fast schon, als würde man uns eine Schachtel Pralinen hinhalten. Etwas süßes und angenehmes, das wir lange nicht mehr hatten und das zugleich schön, irgendwie aber auch unbefriedigend ist. Und ja, das klingt jetzt sehr mitleiderregend, ist aber leider wirklich so. Wir sind so beschäftigt damit, unser ‚Ich bin eine Starke Frau’ Ding durchzuziehen und unser Leben allein zu regeln, dass wir nicht mehr wissen, wie es sich anfühlt, wenn sich ein Mann für einen interessiert. Wir haben vergessen, wie schön das sein kann. Wir sind schon total überfordert, wenn uns jemand aus der Gruppe im Club ein Getränk anbietet, völlig ohne Hintergedanken, sondern einfach nur aus Nettigkeit. Wir kennen es nicht mehr.

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Genau aus diesem Grund nehme ich es niemandem übel, der diese Aufmerksamkeit einfach nur genießt, auch wenn er eigentlich nichts vom anderen will. Die Frage ist hier nur, wann man die Fronten klärt, denn sobald der andere wirklich mehr will, sieht die Sache schon wieder anders aus. Dann bin ich persönlich immer dafür, die Situation zu klären und niemandem der Aufmerksamkeit wegen falsche Hoffnungen zu machen. Ich weiß jedoch auch, dass der Übergang hier fließend ist und ich weiß, dass es ganz oft passiert, dass man in solchen Situationen Menschen mehr oder weniger versehentlich verletzt.

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Ob Max mehr will, wissen wir nicht. Irgendwie interessiert es auch gerade nicht, beziehungsweise wird die Frage weggeschoben. Einfach weil es schön ist, wie es ist und die Aufmerksamkeit guttut. Ist das verwerflich? Wie gesagt, ich denke zum aktuellen Zeitpunkt ist es das nicht. Dieser ganze Dating Mist ist so anstrengend und macht doch eigentlich fast niemandem mehr Spaß. Was spricht also dagegen, einfach ein bisschen die Zeit zu genießen und sich wieder daran zu erinnern, wie es ist, wenn ein Mann einem Zeit und Aufmerksamkeit schenkt? Das fehlt den meisten von uns nämlich sehr, auch wenn wir daten, verschiedene Männer kennenlernen und es somit nicht wenige Chancen gibt, dass sich jemand wirklich für uns interessiert. Passieren tut es dann trotzdem viel zu selten.

Ich denke, dass niemand fehlerfrei ist. Ich denke, dass sowohl Männer, als auch Frauen bei der Partnersuche Dinge tun, die sowohl sie selbst, als auch andere verletzen können und dass wir uns alle regelmäßig die Finger verbrennen, bestätigt das allemal. Aber so ist wohl einfach das Spiel.

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