Über die Friendzone

sonntagstratsch über die friendzone lifestyle blog münchen

Ich bin in der Friendzone. Bei einem Mann, bei dem ich wirklich niemals dort landen wollte und mit dem ich eigentlich schon an ganz anderen Orten, als in der Friendzone war. Mir selbst diese Tatsache überhaupt einzugestehen, hat lange genug gedauert, aber heute bin ich bereit, euch die ganze Geschichte zu erzählen.

Kennengelernt haben wir uns vor fast 5 Jahren. Er ist nicht aus München, weshalb wir uns nicht sehr oft treffen konnten, aber wenn wir es taten, dann waren wir gemeinsam essen, auf Parties, haben einen Wochenenedtrip gemacht und waren bei all dem sicher nicht nur Freunde. Dass wirklich mehr daraus wird, stand aber auch nie zur Debatte. Ich wollte damals keine Beziehung, war glücklich damit, endlich einfach nur frei zu sein und meine eigenen Entscheidungen zu treffen und genoss die Zeit mit ihm. Auch von seiner Seite aus hatte ich nicht das Gefühl, dass romantische Gefühle im Spiel waren und so beließen wir es bei der guten alten Freundschaft+. Dabei haben wir uns eigentlich immer bei mir in München getroffen, oder wir sind zusammen weggefahren. Bei ihm daheim war ich bis heute nie. Anfangs hegte ich noch den Verdacht, dass er vielleicht eine Freundin hat oder gar verheiratet ist und mich nur trifft, wenn er auf Geschäftsreise ist, aber das ist etwas, das ich bis heute nicht weiß und ihm eigentlich auch nicht unterstellen möchte. Warum ich nie bei ihm war, weiß ich nicht und ich habe immer versucht, daraus keine größere Sache zu machen, als es ist. Ich war immer der Meinung, dass mich gewisse Dinge wohl einfach nichts angehen und er gehört außerdem zu den Menschen, über die man nicht viel erfährt, auch wenn man Zeit mit ihnen verbringt. Wenn ich so recht darüber nachdenke, dann habe ich in den letzten 5 Jahren wirklich reichlich wenig über ihn erfahren. Eigentlich hatte ich damit aber auch nie ein Problem, auch das gebe ich offen zu. Ich habe einfach immer den Moment genossen. Bis, ja bis ich irgendwie in die Friendzone gerutscht bin und ich weiß bis heute nicht, wie das eigentlich passiert ist. 

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Es fing wohl damit an, dass wir uns, wenn er mal geschäftlich in München war, nicht mehr abends trafen, sondern Mittags essen gingen. Ich habe relativ lange noch unermüdlich immer die Abende für ein Treffen vorgeschlagen, habe aber immer wenn dann kam: ‚Mittags würde mir besser passen’, nachgegeben. Er ist ja schwer beschäftigt und so und ich freute mich einfach, ihn zu sehen. Also war natürlich auch der schnelle Lunch in der Mittagspause okay, der aber leider irgendwie so gar nicht mehr sexy war. Tja und irgendwie habe ich es damit wohl in den letzten zwei Jahren geschafft, dermaßen tief in die Friendzone zu rutschen, dass selbst unsere Gespräche bei besagten Mittagessen sich nur noch auf Job, Wohnsituation und ähnliches beschränken. Grundsätzlich ist das ja auch überhaupt nicht schlimm, schließlich sind wir wirklich irgendwie Freunde und ich finde es schön, sich über solche Themen zu unterhalten. Seltsam wird es nur, wenn du während solch eines Gesprächs Flashbacks bekommst, weil du dich mit dem Kerl, der dir da gegenübersitzt, in der Vergangenheit schon mehr als einmal in den Laken gewälzt hast. Und nun erzählt er dir etwas über den Hund seiner Mutter und über seinen Job und du hast plötzlich keine Ahnung mehr, wie du aus dieser kack Friendzone wieder rauskommen sollst.

Der ein oder andere wird an dieser Stelle vielleicht mit den Augen rollen und mir sagen, dass ich mir den doch einfach mal packen und mit nach Hause nehmen soll, Mittagspause hin oder her. Dieser Vorschlag ist wahrscheinlich auch nicht der schlechteste, es ist jedoch so, dass ich zum einen vielleicht doch nicht das nötige Selbstbewusstsein für so eine Aktion besitze, das gebe ich offen zu, und zum anderen habe ich leider wirklich das Gefühl, dass er an mehr, als an Mittagessen nicht mehr interessiert ist. Was das ‚packen und mit nach Hause nehmen’ zu einer absoluten Kamikaze Aktion mit großem Potenzial zum Scheitern machen würde.

Ich habe viele Männer getroffen und auch wenn mich meine Menschenkenntnis bei Tinder und co leider viel zu oft im Stich lässt, Männer die ich öfter getroffen habe, weiß ich eigentlich ganz gut zu lesen. 

Vielleicht sollten wir tatsächlich mal darüber reden. Vielleich sollte ich beim nächsten zwanglosen Mittagessen nachfragen, wieso ich in der Friendzone gelandet bin. Vielleicht gibt es einen Grund. Vielleicht hat er mittlerweile eine Freundin, von der er mir noch nichts erzählt hat, oder er hat eben wirklich keinen Bock mehr auf mich. Aber auch die letzte Antwort würde mir wahrscheinlich helfen, wirklich einen Haken unter die Sache zu setzen, die Flashbacks aus meinem Kopf zu verbannen und ihn einfach nur als Freund zu treffen. Denn als solchen schätze ich ihn ja durchaus.

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Nach dieser Erfahrung habe auch ich mich gefragt, ob ich eigentlich Männer in die Friendzone verbanne, vielleicht sogar ohne es zu merken. Ich muss dazu ehrlich sagen, dass ich kaum mit heterosexuellen Männern befreundet bin. Da sich mein Freundeskreis zu einem Großteil mit den Leuten überschneidet, mit denen ich auch beruflich zu tun habe und sich in meiner Branche eben hauptsächlich schwule Männer rumtreiben, kann auch ich einige davon zu meinen Freunden zählen, worüber ich wahnsinnig froh bin. Da kommt dieser ganze Friendzone Mist nämlich gar nicht erst auf, sondern man kann einfach ehrlich befreundet sein, sich über Jungs, Beziehungen und Sex unterhalten und muss sich nie die Frage stellen, ob einer von beiden mehr in der Freundschaft sieht, als der andere. Ich habe also wenige heterosexuelle Männer, mit denen ich befreundet bin und bei denen habe ich nicht das Gefühl, dass ich jemanden gegen seinen Willen in die Friendzone gedrängt hätte. Natürlich kann ich mich in dem Punkt aber auch komplett irren, denn oft bekommt man von den Vorstellungen des anderen recht wenig mit, wenn man selbst seine Ansichten für sich klar definiert hat.

Darüber reden wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee. Die Gefahr, einen Korb zu kassieren, wenn man damit rausrückt, dass man eigentlich mehr als nur reine Freundschaft will, ist hier aber natürlich groß und dieses Risiko will man auch nicht immer eingehen.

Was ich nun also mache? Ich denke, ich akzeptiere es, dass ich in der Friendzone bin, auch wenn sowas natürlich immer ein bisschen am eigenen Ego nagt. Von so etwas sollte man sein Selbstbewusstsein jedoch niemals abhängig machen und deshalb werde ich in Zukunft die Mittagspausen wieder mehr genießen und diese Erfahrung vielleicht auch dazu nutzen, mir selbst zu überlegen, wen ich so alles als ‚Freund ohne +’ einordne. Vielleicht sollte man auch hier – wie so oft im Leben – nämlich keine voreiligen Schlüsse ziehen…

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Kommentare

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  1. says

    Hallo Anja,

    ich glaube nicht, dass es funktionieren würde, ihn einfach mit nach Hause zu nehmen bzw. ihn damit zu konfrontieren. Wenn der Mann eine intensivere Beziehung zu dir wünscht, dann würde er dir den notwendigen Platz in seinem Leben schon einräumen, aber aus irgendeinem Grund scheinen sich seine Absichten verändert zu haben. Offensichtlich hat sich deshalb auch eure Beziehung zu einander verändert und wenn du wissen willst, ob du eine Chance darauf hast, die Friendzone irgendwann wieder zu verlassen, solltest du dich vielleicht eher ein wenig rar machen. Er wird so ebenfalls eine Veränderung bemerken und eventuell kommt es dann auch zu einem Gespräch, in dem du deine Absichten erklären kannst. Wenn du weiterhin ausschließlich auf seine Bedürfnisse eingehst und einem Mittagessen zustimmst, obwohl du lieber eine abendliche Verabredung hättest, dann untergräbst du deine eigenen Vorstellung von der Art eurer Beziehung. Das wird auf jeden Fall ewig an deinem Ego kratzen.
    Bleib stark und lass nicht zu, dass dich das weiterhin belastet.

    Ich wünsche dir nur das Beste!

    Herzliche Grüße,
    Gina

  2. Fräulein Wunderlich says

    ein ganz toller und ehrlicher post zu einem thema, zudem ich wohl tatsächlich bände füllen könnte….danke dir dafür…es war toll zu lesen…

  3. says

    Hi Anja,

    das erste Mal, dass ich eine Frau so offen und ehrlich über die Friendzone schreiben sehe.

    Vor allem interessant, dass es sich von Freundschaft+ zurück entwickelt hat.

    Danke + Grüße