Über Privates und Öffentliches

sonntagstratsch über private sind öffentliches lifestyle blog München

„Das hier ist Anja, Anja kenne ich schon ewig und sie ist von Beruf Bloggerin. Anja, das hier ist meine Freundin.“

„Hey Anja. Du bist Bloggerin? Also das sagt mir ja gar nichts, was macht man denn da den ganzen Tag?“

Ich befinde mich auf der Geburtstagsparty eines alten Schulfreundes. Hier sind lauter Leute, die mit dem Blogger Leben so gar nichts zu tun haben und ich bin ganz ehrlich: Es kam in letzter Zeit selten vor, dass ich auf so einer Party war und niemand außer mit was mit Bloggen am Hut hatte. Ganz einfach deswegen, weil sich ein Großteil meines Freundeskreises mittlerweile mit meiner Arbeit überschnitten hat und somit die meisten meiner Freunde ebenfalls Blogger sind, in der PR arbeiten oder sonst irgendwie etwas damit zu tun haben.

Dies war also eine der seltenen Gelegenheiten, mal komplett aus meinem sonstigen Umfeld rauszukommen und den Abend mit Leuten zu verbringen, die in ihrem Beruf und in ihrer Freizeit völlig andere Dinge machen, als ich.

Gleich zu Beginn wurde mir also die neue Freundin des Gastgebers vorgestellt, die auch sofort großes Interesse an meinem Job zeigte. Okay sind wir ehrlich: Sie hat mich ziemlich in die Mangel genommen und das für mindestens zwei Stunden lang. Grundsätzlich ist das für mich kein Problem, ich rede gerne über meinen Job und betreibe vor allem gerne Aufklärung, dass es eben nicht nur ‚Lippenstift in die Kamera halten’ ist, sondern der Beruf vielseitig, anstrengend und ziemlich zeitintensiv ist. Vor allem aber, dass es eben genau das ist: Ein Job und nicht nur Freizeitbeschäftigung für reiche Töchter, die sonst nichts zu tun haben.

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Ich habe mich nun also über zwei Stunden lang mit einem Mädel über meinen Job unterhalten, das rein gar nichts damit anfangen konnte und es wurde recht schnell klar, dass es sich bei meiner Gesprächspartnerin um jemanden handelte, der alles hinterfragte und einem nichts einfach so stehen ließ. Eine gute Eigenschaft wie ich finde, auch wenn es in dem Moment für mich wirklich ein ‚in die Mangel genommen werden’ war. Eine Frage, die sie mir relativ zu Beginn stellte, war folgende: „Ist das nicht total heftig, wenn man ständig alles aus seinem Leben teilt und nichts mehr privat ist? Ich könnte das nicht…“

Das ist ein Einwand, den ich absolut verstehen kann und aus diesem Grund schreibe ich heute auch diesen Post, weil ich denke, dass es viele Menschen gibt, die mit diesem Teil des Bloggerjobs so ihre Probleme haben, beziehungsweise denen es schwerfällt, hier einzuordnen, wie wir Blogger das handhaben. Denn ja, ihr seht verdammt viel von uns und allein schon mit diesem Artikel gebe ich mehr von meiner Gefühlswelt preis, als das so manch anderer tut. Von den wirklich privaten Sonntagstratsch Posts mit Männergeschichten und co. mal ganz abgesehen…

Während ich ihr also erklärt habe, dass ich so ganz grundsätzlich nur das teile, was ich auch wirklich öffentlich teilen möchte und das was man hier von mir sieht und über mich erfährt, trotz allem nur ein Bruchteil meines Lebens und meiner Persönlichkeit ist, habe ich mir natürlich auch selbst die Frage gestellt, wie wahr das eigentlich ist, was ich hier gerade erzähle. Zeigen wir manchmal zu viel? So viel, dass es uns irgendwie persönlich schaden könnte? Oder dass wir irgendwann gestresst davon sind, unsere Follower immer und überall mitnehmen zu müssen? Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen, aber ich würde ganz klar sagen: Nein. Zumindest zum ersten Fall. Ich stehe komplett hinter allen Artikeln, die ich schreibe und ich bin mir sicher, dass sie mir auch in Zukunft nicht schaden werde. Oft bekomme ich zu hören: „Aber denk doch mal an zukünftige Arbeitgeber! Wie werden die das finden, dass du deine Kolumne schreibst?“ Dazu kann ich nur sagen, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mal nicht in einem Job arbeiten werde, in dem das relevant ist. Aktuell ist sowieso der Blog mein Job und das möchte ich auch gar nicht ändern. Natürlich weiß man aber nie, wohin einen das Leben so führt und es kann gut sein, dass auch ich irgendwann mal irgendwo angestellt bin. In meinem Fall kann ich aber sagen, dass ein Arbeitgeber mich wahrscheinlich gerade wegen dieser Qualifikationen und wegen dem, was ich mache, einstellen wird und nicht trotzdem.

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Das mit dem ‚immer und überall seine Follower mit hinnehmen’ ist da schon etwas anderes, das gebe ich zu. Ich gehöre nicht zu den Bloggern, die restlos alles dokumentieren, aber auch wir snappen natürlich, oder machen im Café ein Foto, bevor wir unseren Kuchen essen. Ich wurde auf besagter Geburtstagsfeier gefragt, ob mich das manchmal nicht tierisch nervt und die Antwort hierauf ist ganz klar Ja! Auch ich habe Tage oder Situationen, in denen ich darauf keine Lust habe, aber dann mache ich es entweder trotzdem, weil es schlichtweg zu einem Job gehört, oder ich lasse es einfach mal. Dinge tun auf die man keine Lust hat, dieses Thema wird in der Blogosphäre normalerweise totgeschwiegen. Wir Blogger haben nämlich auf alles Lust was wir tun, weil wir ja das spaßigste Leben ever führen und das auch keine Arbeit ist. Wie Wahrheit sieht oft anders aus und natürlich gibt es Tage, an denen auch wir keine Lust haben. Aber wisst ihr was? In solchen Situationen macht man es trotzdem und zwar aus dem einfachen Grund, weil man sich schon zu einem viel früheren Zeitpunkt für diesen Job entschieden hat und sich jeden Tag aufs Neue dafür entscheidet. Und dann ist ‚Ich habe heute mal keine Lust’ plötzlich kein Thema mehr. Weil wir uns für diesen Job entschieden haben und dieser Job einen Großteil der Zeit nunmal wirklich große Freude macht.

Genau das habe ich auch meiner Gesprächspartnerin auf besagter Party erklärt, die mich gefragt hat, ob das wirklich so viel Spaß macht, ständig immer alles fotografieren müssen und alles zu teilen. Ich habe ihr gesagt, dass auch mein Job Schattenseiten hat und Momente in denen er mal nervig oder anstrengend ist. So wie eben jeder andere Job auch. Ich habe mich vor langer Zeit dafür entschieden, auch einen Teil meines Privatlebens mit der Öffentlichkeit zu teilen und auch wenn man manchmal keine Lust hat, bereue ich diese Entscheidung grundsätzlich überhaupt nicht. Denn unterm Strich entscheide immer noch ich, was ich wann und wie teile und was nicht. Das erzähle ich euch aus deshalb, weil ich selbst weiß, dass es oft den Anschein macht, man würde eine Person zu 100% kennen, wenn man ihr auf Instagram und Snapchat folgt und vielleicht noch ihren Blog liest. Was man aber nie vergessen darf, ist die Tatsache, dass auch diese Informationen gefiltert sind und zwar von jemandem, der sich selbst natürlich bestmöglich darstellen möchte.

Was ich euch also eigentlich sagen möchte, ist folgendes: Ja wir Blogger teilen mehr mit der Öffentlichkeit, als das so manch anderer Mensch macht und für sich selbst möchte. Wir entscheiden aber immer noch selbst, was wir teilen und wir stehen in den meisten Fällen auch hinter dieser Entscheidung. Teile meines Lebens öffentlich zu machen ist Teil meines Jobs und der macht mir großen Spaß. Ohne das wäre nämlich auch die Interaktion mit euch dahin und das ist wohl das Tollste am Bloggen. Wenn man das Gefühl hat, eine Community zu haben, die die eigenen Interessen und Ansichten teilt und mit einem interagiert. Da macht es auch gar nichts mehr, wenn das Essen mal kalt wird, weil man es noch kurz snappt. So ist das eben, das Bloggerlife.

Nichts desto Trotz hat auch mich das Gespräch auf dieser Geburtstagsparty zum Nachdenken angeregt und mir mal wieder bewusstgemacht, dass die Entscheidung, gewisse Dinge öffentlich zu machen, jeden Tag wieder bewusst und niemals leichtfertig getroffen werden sollte. Von niemandem von uns, egal ob Blogger oder nicht.

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Kommentare

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  1. says

    Super Text. Vor allem finde ich es gut, dass Du Dir Gedanken darüber machst, was und wie viel Du mit der Öffentlichkeit teilen möchtest.

    Und dass man trotz allen Teilens auf sämtlichen “Social Media”-Kanälen den Menschen hinter einem Blog nie komplett kennen wird, scheint der eine oder andere Follower ab und an zu vergessen…

  2. Chessi93 says

    Hallo Anja,

    Sonntagabend ist Blog Lesezeit :)
    Das Internet vergisst nie und daher finde ich es gut wie du und Eileen mit den öffentlichen Plattformen umgeht und jeder hat mal einen schlechten Tag und muss sich nicht gezwungen fühlen dann auch noch was posten zu müssen. Jeder Job hat seine Vor- und Nachteile und bei euch ist es das private Leben der Öffentlichkeit zu zeigen und dann ist es total legitim das ihr entscheiden könnt was ihr zeigt und wie viel.
    Irgendeiner wird bestimmt immer meckern, dass ihr zu wenig Snapt oder oder oder. Aber es ist euer Leben und euere Entscheidung !

    Ihr macht das super und seid authentisch, dass ist das was zählt :)

    Euch noch einen schönen Sonntag.

  3. says

    Oh jaaaa, wie oft musste auch ich diese Frage schon beantworten. :D

    Ich sehe das genauso wie du / ihr. Und ich denke auch, dass jeder aufpassen muss, was er postet / mit der Öffentlichkeit teilt oder nicht, wie z.B. die ganzen 13-Jährigen, die sich knapp bekleidet ablichten etc. Das ist nicht nur ein Blogger-Thema! Verantwortungsvoll mit dem Internet umgehen ist für jeden wichtig.

    Liebe Grüße!
    Josephine vom Blog
    http://littlediscoverygirl.de