Über teure Geschenke und unterschiedliche Gefühle

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Ja das ist ein Sonntagstratsch. Und nein, er stammt nicht aus meiner Feder, sondern von Eileen. Normalerweise ist das mit dem Sonntagstratsch mein Job, aber folgende Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Ich übergebe also hier an E und eine ziemlich interessante Dating Erfahrung, die uns beiden einige Diskussionen beschwert hat.

Es war im Frühling dieses Jahres und ich hatte mal wieder ein Date. Dieses Date hatte ich nicht einer Dating Plattform zu verdanken, sondern ich habe den Kerl tatsächlich im real life kennengelernt, genauer gesagt beim Feiern. Ich bin ganz ehrlich, ich komme mit Dating Apps überhaupt nicht mehr klar und dass ich jemanden von einer Dating Plattform treffe, kommt zu gut wie nicht mehr vor. Ich kann mit diesen Apps einfach nichts anfangen, da ich mich viel mehr von echten Eindrücken begeistern lasse und nicht rein vom Aussehen einer Person. Da man den Charakter eines Menschen auf so einer Plattform leider überhaupt nicht sehen kann, komme ich damit irgendwie nicht weiter. 

Zurück also zu besagtem Abend.  Ich muss sagen, ich war überhaupt nicht darauf aus, jemanden kennenzulernen und wollte einfach nur mit den Mädels bis in die Puppen tanzen. Plötzlich war da jedoch dieser Typ, er sah sehr süß aus und war recht zurückhaltend. Ich sprach ihn an (sowas tue ich tatsächlich nach ein zwei Drinks…) und aus meiner Initiative heraus tauschten wir Nummern aus. Er wollte allerdings recht schnell wieder gehen und fragte, ob ich mitgehen würde, was ich dankend abgelehnt habe. Es  ist nicht mein Ding, einfach so  mit einem Fremden mitzugehen und wir hatten bis dahin ja nicht mal viel miteinander gesprochen. 

Trotzdem blieb ich dran und schrieb ihm noch am selben Abend. Nach einem kurzen hin und her – ich erfuhr, dass er nicht aus München kam – war ich zunächst etwas abgeschreckt. Wie sinnvoll war es, jemanden zu treffen, der nicht in meiner Stadt wohnte? Dennoch lud er mich kurz darauf zu einem Date im Volkstheater ein (in meiner Stadt). Ich war von dieser Kreativität sehr begeistert, denn wer möchte schon ins Theater gehen? Die meisten Typen schlagen maximal einen Abend in einer Bar vor. Auch wenn Theater eigentlich so gar nicht meins ist, stimmte ich zu. Konnte schließlich auch mir nicht schaden, den Horizont mal ein bisschen zu erweitern und ich fand die Idee wirklich kreativ.


Ein paar Tage später war es also soweit und am Tag des Dates war ich dann doch recht aufgeregt. Am Abend unseres „Kennenlernens“ hatte ich schließlich doch den ein oder anderen Drink zu viel und wusste nicht wirklich, auf was ich mich da eingelassen hatte. Wer war der Typ überhaupt? Das einzige was ich wusste war, dass ich ihn an dem Abend wirklich süß fand, so lets give it a try.  

Das Date dauerte schließlich mit Theater und Drinks danach in einer Bar  insgesamt 6 Stunden. Das ist verdammt lang für ein erstes Date… Danach war ich zum einen super müde und fertig aufgrund der vielen Eindrücke vom Theater und vor allem unserem Gespräch danach und zum anderen total aufgekratzt.

So tief und intensiv hatte ich mich schon lange mehr mit einem Mann unterhalten.  Ich hatte sofort das Gefühl – endlich jemand der mich versteht. Jemand, der ähnlich denkt wie ich und ähnlich an die Dinge rangeht. Jemand der nicht oberflächlich ist, sondern die Dinge vielleicht mehr hinterfragt, als manch Anderer und Feuer hat für das was er tut, beziehungsweise einen Plan hat, wo er mal hin möchte. Das hat mich sehr beeindruckt. 

Am nächsten Tag wollte er mich direkt wiedersehen und eigentlich bin ich mit sowas vorsichtig und lasse gern das erste Date etwas sacken, damit man eben auch etwas Zeit hat, sich zu überlegen, ob man ein zweites Treffen wirklich möchte. Unabhängig von der ersten Euphorie.  Da er auf der Durchreise war und durch München kam und ich eh Zeit hatte, gingen wir jedoch ein Eis essen. 

Dieses Treffen verlief jedoch ganz anders, als das erste. Gefühlt kam von ihm gar nichts, außer ein paar Floskeln, die mir flach imponieren sollten, gemischt mit Seitenhieben. Ich bin gar kein Fan von Schmeicheleien in der Kennenlernphase wenn man noch gar nicht weiß, was der andere wirklich mag. Substanzloses Dahergerede, weil man denkt, darauf stehen Frauen, ist gar nichts für mich. Dann lieber die Klappe halten. 

Was die Seitenhiebe angeht, bin ich an sich offen ich mag es, wenn man sich neckt. Ich bin niemand, der keinen Spaß versteht, allerdings gingen diese dann mit der Zeit in eine Richtung die beleidigend und erniedrigend wurde und einfach nicht mehr lustig war. Ebenfalls eine Art, die bei mir auf heftigen innerlichen Wiederstand trifft und bei der er für mich eigentlich schon vorbei ist. 

Zudem spürte ich von seiner Seite her sehr viel Unsicherheit. Ich hingegen war entspannt und so möchte ich auch dass ein Kennenlernen von statt geht, entspannt mit einem knistern in der Luft.  Allerdings habe ich von seiner Seite nichts in die Richtung gespürt und Flirtversuche aus meiner Richtung gingen wohl ins Leere, wodurch ich nur Unbehagen verspürte. 

Grundsätzlich bin ich bei so etwas nicht wirklich enttäuscht, sondern denke mir eher, dass es dann wohl einfach nicht gepasst hat. Das ist ja ganz normal und kann passieren, dass plötzlich spürt, dass man doch nicht den Draht zueinander hat, von dem man dachte, man hätte ihn. Man trifft schließlich auch so ständig Menschen, von denen man denkt ‚ja ganz nett’, aber best friends wird man doch nicht. Mit den Männern ist es im Grunde auch nicht anders. ‚Nett’ sind die meisten, eine wirklich tiefere Verbindung hat man jedoch nur zu den wenigsten. 

Also beschloss ich, ihm zwei Tage später genau das zu sagen, nämlich dass die Treffen mit ihm schön waren, es jedoch für mich einfach nicht gepasst hat. Er reagierte ausgesprochen überrascht, meinte, er fühle sich wohl in meiner Gegenwart und hätte mehr in dem Ganzen gesehen, aber wäre auch nicht der Typ dafür, jemandem hinterherzurennen. 

Für mich eine Antwort mit der ich leben konnte und über die ich mir nicht wirklich weiter den Kopf zerbrach. Das Thema war für mich damit erst mal abgehakt.

Spulen wir also vor. Ungefähr 3 Wochen später hatten wir einen Zettel im Briefkasten, dass ein Paket bei der Post gelandet ist. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, wir bekommen ja täglich Pakete und haben also mit einem Beauty Paket oder Ähnlichem gerechnet. 

Ich bin also los zu Post, um es abzuholen und habe noch während die Post Frau es mir über die Theke schob, einen Blick auf den Absender geworfen. Es stand sein Name drauf. Ich habe das Paket daraufhin fast fallen gelassen und mir wurde heiß und kalt.  Zitternd bin ich also mit dem Paket raus Richtung Tram und habe mir natürlich den Kopf darüber zerbrochen, was da wohl drin sein könnte. 

Ich muss zugeben: Ich bin zunächst von etwas Negativem ausgegangen. Man weiß ja nie, wie die Leute so drauf sind und von Hassbrief bis Briefbombe kam mir alles in den Sinn. Ich habe also beschlossen, es direkt in der Öffentlichkeit aufzumachen, dann gäbe es wenigstens Zeugen für mein Ableben. Idiotisch, ich weiß, aber in so einem Moment kommen einem die komischsten Gedanken. 

Natürlich war auch mir recht schnell klar, dass es wohl nichts Böses sein würde, aber die Neugierde war trotzdem zu groß und ich musste einfach reingucken.  Zum Vorschein kam direkt nach dem Verpackungskarton ein weiterer Karton. Ein orangener Karton mit der Aufschrift eines namenhaften Designers…

Ich war um ehrlich zu sein in dem Moment ziemlich lost. Was sollte das denn jetzt?! Irgendwie habe ich ja immer noch mit etwas Schlimmem gerechnet, aber spätestens da dämmerte es mir, dass mich hier wohl gerade ein wirklich krasses Geschenk erreicht hatte. 

Meine Adresse gab’s dann wohl wie immer gratis aus dem Impressum, denn die hatte ich ihm eigentlich nicht gesagt. Privatsphäre nach 2 Dates wohl nicht vorhanden, aber so ist das wohl einfach, wenn man Blogger ist.

Kommen wir also zum Inhalt der besagten orangenen Box: Drin war ein Notitzbuch, symbolisch für meinen Blog, in das meine Initialen eingraviert waren. Dazu muss man sagen: Der Anfangsbuchstabe meines Nachnamens ist auch der Anfangsbuchstabe seines Vornamens, was die ganze Sache irgendwie creepy gemacht hat. Auf der beiliegenden Karte stand: ‚Danke für die schöne Zeit.’

Ich war ziemlich sprachlos. Also ja, das war nett gemeint, aber trotzdem meiner Meinung viel zu viel, vor allem wenn man die Person einfach nicht kennt.  Wir hatten uns nur dreimal gesehen und das innerhalb weniger Tage. Viel ‚Zeit’ war da also irgendwie nicht. 

Natürlich machte ich mir danach so meine Gedanken, wer würde das nicht tun? Ich bin außerdem jemand, der Geschenken immer einen sehr hohen symbolischen Wert beimisst und sie extrem mit dem Schenkenden verbindet. Sei es mein Armreif, den ich von meinen Freunden zum Geburtstag bekommen habe, etwas von meiner Schwester oder sonst irgendwas. Jetzt hatte ich hier also dieses super teure und personalisierte Notizbuch liegen und würde es mit Sicherheit nicht einfach so benutzen können, ohne dabei an ihn zu denken.  Und an ihn denken wollte ich eigentlich nicht mehr…

Meiner Meinung nach war das also eine Geste, die zwar mit Sicherheit nett gemeint war, mich aber irgendwie in eine unangenehme Lage brachte… Was erwartet man sich davon? Dass ich zurückkomme, weil ich mir nach so einen Geschenk denke ‚hach so ein toller Mann’? Ich war ehrlich gesagt völlig ratlos und restlos überfordert mit diesem Geschenk. 

Außerdem habe ich mir natürlich meine Gedanken gemacht, wie es passieren konnte, dass wir beide so unterschiedlich gefühlt haben. Wie konnte da für mich so wenig sein und für ihn so viel? Wie kann überhaupt jemand nach zwei Dates schon so viel fühlen, dass er direkt solche Geschenke machen möchte, während ich nach meinem Korb eigentlich keinen Gedanken mehr an ihn verschwendet habe.

Natürlich war es auch mir im Gedächtnis geblieben, dass wir uns anfangs wirklich toll unterhalten haben. Dass da von meiner Seite her jedoch keine Anziehung war, eben auch…. Bin ich zu anspruchsvoll wenn ich beides will? Ich will mich nach der anderen Person sehnen und nicht von der Seite weichen wollen. So dass man nicht die Finger vom anderen lassen kann. Ich möchte von einem Mann begehrt werden und ich will, dass er mir das zeigt und nicht die ganze Zeit Scherze auf meine Kosten macht. Gerne ergreife ich auch mal die Initiative aber irgendwo ist für mich auch eine Grenze und ich will wenigstens ein bisschen das Gefühl haben, erobert zu werden. Bei ihm hatte ich jedoch während des letzten Treffens das Gefühl, er bemüht sich gar nicht und will eigentlich nicht so recht und irgendwann hake ich die Sache dann eben ab. Dass danach jedoch so etwas kommt, damit hätte ich zu keiner Sekunde gerechnet. 

Ist es zu vorschnell, dass ich, wenn ich das nicht fühle, aufgebe und dem Ganzen keine Chance gebe? Habe ich etwas übersehen, was da war und was er anscheinend gesehen hat? Eigentlich habe ich die Entscheidung keine Sekunde bereut, denn etwas was nicht da war kann ich auch nicht vermissen. Ich hatte ihn wie erwähnt wirklich abgehakt. Trotzdem kommt man sich irgendwie etwas undankbar vor. Muss man einem Menschen vielleicht mehr Zeit geben? Damit etwas entstehen kann?

Ich möchte aber ganz ehrlich sein, ich sehe irgendwie keinen Sinn darin, Zeit und Gefühle in Dates zu stecken, bei denen ich nicht von Anfang an das Gefühl habe, dass daraus irgendwas werden könnte. Ich bin glücklich mit all dem was ich habe und eine neue Person in meinem Leben sollte das Sähnehäubchen auf all dem sein und nicht ein roher Teig der tagelang ziehen muss und am Ende schmeckt er doch nicht. Da sehe ich mich irgendwie nicht. 

Ich bin ein Mensch der lieber schnell ehrlich ist und ich sage das einem Mann, wenn ich nicht das Gefühl habe, da könnte mehr draus werden. 

Ich finde es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden Wochen/Monate lang hinzuhalten und dann zu beschließen, oh du bist es doch nicht. Meiner Meinung nach spürt man das, wenn es wirklich wahre Liebe (oder zumindest eine Verliebtheit) ist und zwar relativ bald. Und man sollte eben auch mit offenen Karten spielen, wenn nicht. 

Zu dem Geschenk kann ich nur sagen: Es war einfach zu viel. Und ich finde es schade, wenn Männer irgendwie denken, eine Frau so umstimmen zu können. Wobei ich hier über seine Beweggründe überhaupt nicht spekulieren will, denn ich kenne sie schlichtweg nicht. Vielleicht wollte er wirklich einfach nur nett sein… Ich kann jedoch für mich sagen, dass ich keine teuren Geschenke brauche, mir reicht auch der Typ, wenn es passt.

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  • Liebe Eileen, also diese Story hat mich echt beeindruckt.
    Ich finde es genial, wie gut du dich kennst und wie selbstbewusst du doch bist. Ich denke mal, durch dein gutes Gespür hast du es vermieden einem echten Narzissten aufzusitzen. Das Verhalten ist so typisch, immer etwa over the top und gleichzeitig den anderen abwerten und damit klein halten. Wasmachst du jetzt mit dem übertriebenen aber dennoch sicher schönem Geschenk?
    Ich freue mich auf weitere Texte und Fotos mit echter gelebter Frauenpower…. LOVE LOVE LOVE

  • „ Ich bin glücklich mit all dem was ich habe und eine neue Person in meinem Leben sollte das Sähnehäubchen auf all dem sein und nicht ein roher Teig der tagelang ziehen muss und am Ende schmeckt er doch nicht.“ Das ist das Beste was ich je gelesen hab. Wirklich. So auf den Punkt gebracht. Finde dein Verhalten sehr richtig. Wenn es nicht passt, dann passt es nicht. Man spürt es einfach , und sich etwas einzureden oder sich etwas schön zu malen bringt weder dir was noch ihm. Dein Verhalten war nur fair.

    Toller Text E. Du solltest oefters schreiben 💗