Übers Angesprochen werden

„Du siehst aber fesch aus, da dachte ich mir, ich muss dich unbedingt ansprechen. Wie geht’s dir so?“

„Ganz gut…“

„Hast du nen Freund?“

„JA!“

„Oh. Coole Halskette, ist die von ihm?“

„Ja genau, ist sie!“

„Ja dann… Wünsch ich euch noch nen schönen Tag…“

„Danke, dir auch. Und danke fürs Ansprechen! Ist ja nicht mehr selbstverständlich.“

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Er lächelt müde und zieht von dannen und wir bleiben alle drei etwas perplex zurück. Ich hätte nie gedacht, dass ein ‚Ja’ auf die Frage, ob man einen Freund hat, so schnell aus dem Mund einer Single Frau kommen kann. Sie hat es ihm um ehrlich zu sein fast schon entgegen geschleudert.

Diese Reaktion ist jedoch etwas, was ich oft beobachte, wenn man als Frau auf der Straße von einem Mann angesprochen wird und ich will mich da selbst gar nicht ausnehmen. Auch ich bin mehr als überrascht, wenn mich jemand anspricht und da es überhaupt extrem selten passiert, rechne ich um ehrlich zu sein schon eher mit der versteckten Kamera als damit, dass wirklich ein Kerl ernsthaftes Interesse zeigen könnte. Hinzu kommt, dass die meisten Frauen so gut wie immer enttäuscht sind, wer sie da anspricht. Sind wir doch mal ehrlich: Irgendwie sprechen einen immer die an, die man auf den ersten Blick gar nicht mal so toll findet. Das macht die ganze Sache aber besonders verzwickt, denn einerseits beschweren wir uns, dass uns niemand mehr anspricht und andererseits wollen wir diejenigen, die es tun, dann nicht. Ich kann es um ehrlich zu sein absolut verstehen, dass Männer Frauen nicht mehr einfach auf der Straße ansprechen, wenn sie immer so eine abweisende und teilweise fast schon entgeisterte Reaktion bekommen.

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Das Problem bei der Sache ist jedoch folgendes: Auch in der oben beschriebenen Situation war es schlichtweg so, dass der Typ meiner Freundin einfach nicht gefiel und sie deshalb sofort behauptet hat, sie hätte einen Freund. Sollen wir also nur nett sein und darauf eingehen, weil der Mann sich getraut hat und nicht, weil wir ihn gut finden? Das macht irgendwie auch keinen Sinn. Wenn wir jedoch immer so reagieren, traut sich am Ende gar kein Mann mehr und das wäre natürlich auch schade. Eigentlich ist das nämlich eine ziemlich gute Sache und um einiges ehrlicher und irgendwie auch romantischer als diese ganzen blöden Tinder Geschichten. Ob es weniger oberflächlich ist, sei jetzt mal dahingestellt, aber das Gefühl, dass jemand im Real Life auf einen aufmerksam wurde, ist tausendmal besser, als zu wissen, dass er einfach nur deine Bilder gut findet.

Wie gehen wir nun also damit um? Ich persönlich versuche ja wirklich, nicht mehr so grantig und abweisend zu sein und das mehr zu würdigen, wenn einen jemand anspricht und ich hoffe wirklich inständig, dass die Jungs sich von einer Abfuhr nicht entmutigen lassen und auch weiterhin Frauen ansprechen. An sich ist das nämlich eine gute Sache und es ist schade, dass wir das irgendwie alle verlernt haben. Früher ohne Smartphone und co war das wahrscheinlich ganz normal, aber da wir mittlerweile andere Mittel nutzen, um uns zu connecten, können wir mit dem guten alten Ansprechen/Angesprochen werden wohl einfach nicht mehr umgehen. Das ist schade. Und ich denke, dass es uns auf Dauer kaputt macht, können wir doch über Whatsapp und co. mittlerweile besser kommunizieren, als wenn wir jemandem wirklich gegenüberstehen.

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Also liebe Jungs: Bitte traut euch auch weiterhin. Auch wenn viele von uns so perplex sind, dass sie vielleicht nicht sonderlich offen und nett reagieren. Der Satz den meine Freundin zuletzt gesagt hat, ist nämlich genauso relevant, wie das, was sie davor gesagt hat: Danke fürs Ansprechen. Es ist nicht selbstverständlich und auch wenn es in manchen Situationen nicht passt, uns der Kerl nicht gefällt, oder sonst irgendwas; Es ist schön und es könnte dazu beitragen, dass unser aller seltsames und verquertes Datingverhalten mal wieder in etwas geordnetere Bahnen gelenkt wird. Aktuell macht es nämlich wirklich keine Spaß mehr und das geht glaube ich nicht nur mir so.

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  • Ich bin ja der Meinung, dass es eine Art krasse Ergebnisorientierung („Muss Beziehungspartner finden!“) ist, die viele solcher Begegnungen ins Unangenehme abgleiten lässt. Das trifft übrigens auf beide Seiten zu (Er: Hast du ’nen Freund? Ja? Tschüß!; Sie: Boyfriend material? No? Bye!). Das Ziel sollte meiner Meinung nach aber darin bestehen, solche Erstbegegnungen grundsätzlich als etwas potenziell Bereicherndes wahrzunehmen (wie du selbst sagst, passieren sie ja schließlich selten genug), und zwar unabhängig davon, ob dabei am Ende eine Beziehung, ’ne schnelle Nummer oder was auch immer herausspringen könnte.

    Beispiel gefällig? In meinen wilderen Zeiten, in denen ich noch in Clubs auf Podesten getanzt habe, versuchte mal ein Mädel auf das gleiche Podest zu klettern. Ich half ihr hoch, tanzte eine Weile mit ihr und fragte schließlich, ob sie auf einen Drink mit auf die Terrasse kommen würde. Sie machte mich sehr freundlich auf ihren Freund aufmerksam, mit dem sie hier sei, mit dem alles noch sehr frisch sei und den sie durch so eine Aktion (so unverfänglich sie auch hätte sein können) nicht vor den Kopf stoßen wolle. Ich fragte sie, welcher es ist, tippte ihn an (er stand noch unten) und zog ihn hoch zu uns aufs Podest. Wir haben uns vorgestellt, sie freute sich („Voll cool, dass du ihn hochgeholt hast!“) und wir alle hatten einen ziemlich spaßigen Abend.

    Was diese Situation meiner Meinung nach so besonders gemacht hat ist, dass wir alle drei zur gleichen Zeit eine geradezu naive Offenheit an den Tag gelegt haben. Sie hat die freundliche (und ungewöhnlich ausführlich begründete) Korbvariante gewählt, obwohl es in solchen Clubsituationen ja durchaus angebracht sein kann, Annäherungsversuche deutlich robuster abzuwehren. Er hat nach dem Hochziehen einfach nur „Servus ich bin der…“ gesagt, wo andere wohl eher die „Alter, Finger weg von meiner Freundin“-Variante gewählt hätten. Umgekehrt hätte ich mir bei einem anderen Kandidaten gehörigen Ärger einhandeln können.

    Was ich damit sagen will ist, dass ich das Gefühl nicht los werde, dass wir alle viel zu oft Situationen fast schon zwanghaft durch eine Art „Partnersuchbrille“ betrachten, und uns dadurch häufig die Sicht auf etwas verbauen, was mit ein wenig mehr Lockerheit ein schöner Moment werden könnte.

    Also Frauen: Wenn es tatsächlich so selten passiert, dass ihr angesprochen werdet, was spricht dagegen, sich zumindest auf eine kurze Unterhaltung einzulassen? Schließlich wird es sich wohl in den seltensten Fällen um einen Heiratsantrag handeln. Und Männer: Es lohnt sich, sich mit einer Frau einfach nur zu unterhalten und sich dabei erstmal nicht darum zu scheren, ob sie für was auch immer zu haben ist oder geeignet erscheint.

    P.S.: Es war übrigens äußerst mühsam, den Post bis zum Ende zu lesen. Jedes Mal wenn ich es geschafft hatte, an einem der Fotos vorbeizuscrollen, hatte ich aus unerfindlichen Gründen vergessen, was ich davor gelesen hatte 😉