Warum keiner gut genug ist

„Und, triffst du ihn nochmal?“

„Ach ich weiß nicht, irgendwie hat er mich nicht umgehauen.“
„Aber was genau stimmt denn jetzt nicht mit ihm?“

„Nichts, er war nett, zuvorkommend, sieht gut aus, hat nen interessanten Job, ne eigene Wohnung. Eigentlich gibt es nichts Negatives zu sagen. Nur umgehauen hat er mich nicht.“

So oder so ähnlich ist in letzter Zeit das ein oder andere Gespräch zwischen mir und Eileen verlaufen. Ich treffe Männer und oft ist sofort klar, dass das nichts wird, weil man sich irgendwie doch nichts zu sagen hat, völlig unterschiedliche Ansichten hat, oder den anderen auf seinem Profilbild einfach attraktiver fand, als im echten Leben. Ich kann damit umgehen und bin gut darin, unter solche Männer schnell einen Haken zu setzen. Wenn mir etwas an einem Mann nicht gefällt, dann ist das eben so und dann ist die Sache auch ganz schnell durch, ebenso wenn er etwas abfälliges über meinen Job, meinen Hund oder sonst was sagt. Alles schon passiert.

Was ist aber mit den Männern, über die ich an sich nichts Negatives sagen kann, die mich aber trotzdem irgendwie nicht abholen?

Ich gebe zu, diese Situationen sind für mich eigentlich die schwierigsten, denn ich weiß, dass ich diesen Mann rational gesehen nochmal treffen müsste. Einfach weil es irgendwie unfair wäre, es nicht zu tun. Trotzdem möchte ich aber irgendwie nicht und ich frage mich natürlich, warum das so ist. Stimmte einfach die Chemie nicht? Oder ist es mittlerweile wirklich so, dass ich generell Angst bekomme, sobald mal einer Interesse zeigt und auf den ersten Blick nicht völlig gestört ist?

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Letzteres ist ein Gedanke, der sich bei mir schon seit einer Weile einschleicht. Ich weiß, dass es in meinen Sonntagstratsch Posts und auch in unserem Girlstalk mit Sophia fast immer darum geht, wie man so als Single durchs Lebens kommt und ich weiß auch, dass wir es eigentlich immer so darstellen, als wäre eben jenes ‚Singledasein’ eben nur ein temporärer Zustand, der hoffentlich bald ein Ende hat. Gerade bei uns drei Mädels mögen die Ansichten da relativ unterschiedlich sein und ich gebe zu, dass ich von uns dreien wahrscheinlich diejenige wäre, die die größten Probleme damit hätte, von ‚Single’ auf ‚In einer Beziehung’ umzuschalten. Ich bin zugegebenermaßen nicht mehr wirklich kompromissbereit und hätte mit Sicherheit gewisse Anpassungsschwierigkeiten, wenn ich plötzlich einen Freund hätte. Nichts desto Trotz wünsche ich mir das natürlich, auch im Hinblick darauf, dass in meinem Kopf das Bild von Mann, Haus und Kindern schon seit langer Zeit fest eingebrannt ist. Ich möchte das wirklich von ganzem Herzen.

Es macht die Sache also nicht gerade leichter, wenn ich langsam aber sicher merke, dass irgendwie keiner gut genug zu sein scheint. Ihr dürft das jetzt bitte nicht falsch verstehen, es ist nicht so, dass ich an sich irgendwelche utopischen Ansprüche hätte – weder im Hinblick auf das Optische, noch an den Charakter eines Mannes. Ich selbst ordne mich bei beidem irgendwo bei ‚normal’ ein und würde mir das auch von meinem Partner wünschen. Ein normaler Kerl eben. Er muss keine drei Firmen leiten, in seiner Freizeit nicht Fallschirm springen (bitte nicht!) und er muss auch nicht Mister Germany gewesen sein. Eigentlich sind das alles Dinge, die ich überhaupt nicht möchte.

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Und dennoch scheint es irgendwie unmöglich zu sein, jemanden zu finden, beziehungsweise mache ich schnell dicht, wenn jemand augenscheinlich meine Ansprüche erfüllt, aber mich eben trotzdem nicht wirklich abholt. Fakt ist: Ich bin ein sehr rationaler Mensch. Ich entscheide so gut wie nichts aus dem Bauch heraus, wäge immer das Für und Wider ab und treffe am Ende eine rationale Entscheidung, die ich vor mir selbst rechtfertigen kann. Begründet und fundiert. Wahrscheinlich ist es aber genau das, was mich bei der Partnersuche so aus der Bahn wirft: Dass man hier eben nicht rational entscheiden kann, sondern manche Dinge eben einfach so sind, beziehungsweise nicht sind. Andere würden hier vielleicht schneller ‚abhaken’, wenn es mit jemandem auf den ersten Blick nicht passt, ich hingegen mache mir ewig Gedanken, was denn nur los ist und warum er mir nicht gefällt, wo doch rational alles für ihn spricht.

Grundsätzlich bin ich allerdings auch der Meinung, dass wir manchmal zu schnell abhaken. Das ist mit Sicherheit ein Problem unserer Generation, über das ich mich schon in diversen Sonntagstratsch Posts ausgelassen habe und das ich hier eigentlich nicht schon wieder breittreten möchte.

Bei mir ist es also so, dass ich Männer, bei denen ich merke, es passt nicht, oft nicht so schnell abhake, wie ich es eigentlich tun sollte, es aber dann doch irgendwann tue und nun eben vor der Frage stehe, ob es ‚den einen’ überhaupt noch irgendwo gibt, oder ob auf gut deutsch Hopfen und Malz verloren ist.

Ob es nun an mir, oder an den Männern liegt, kann ich dabei nicht wirklich beantworten, ich vermute aber wie schon so oft ein Generationsproblem. 

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Halten wir also fest: Für mich und auch für viele andere Frauen ist irgendwie keiner gut genug und wir schrauben uns immer weiter in unser Single-Dasein rein. Ich denke um ehrlich zu sein, dass wir uns generell davon verabschieden müssen, dass irgendwann einer kommt und uns ‚errettet’. Das müssen wir schon selbst tun und dürfen diese Last eigentlich auch keinem mann auferlegen. Wahrscheinlich müssen wir uns auch irgendwie von unseren Vorstellungen bezüglich eines Partners verabschieden, aber darüber habe ich eigentlich schon letzte Woche geschrieben. Der ‚Typ Mann’ ist so eine Sache, die die Partnersuche nur noch schwieriger macht und meistens nicht gerade hilfreich ist.

Es bleibt also nur zu hoffen, dass irgendwann wirklich mal einer gut genug ist. Dass jemand kommt, der uns vergessen lässt, was wir wollen und was nicht und der uns einfach nur umhaut. So völlig irrational und unbändig. Der uns nicht errettet, sondern mit uns gemeinsam und auf Augenhöhe durch’s Leben geht.

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  • Liebe Anja, ich liebe euren Blog und deinen Sonntagstrasch. Ich bin eigentlich eine stille Leserin. Doch heute muss ich mich mal äußern: Ich würde mir wünschen, dass du und auch Eileen und Sophia, mal diese ganze Single-Problematik beiseite legt und euch einfach ins Leben stürzt und euer Ding macht. Das Leben, die Liebe und das Wohlbefinden ist doch wirklich nicht von Männern, Single-Apps und einem gewissen Dating-Verhalten abhängig.
    Ich werde nächste Woche 30 und bin seit knapp drei Jahren in einer Beziehung. Mir ging es ganz ähnlich wie dir. In meiner Studienzeit in Tübingen und Stuttgart, hatte ich auch irgendwann mal die Hoffnung auf den Eretter aus der Single-Welt aufgegeben. Tinder und Co. kam da auch ein paar Mal zum Einsatz. Doch irgendwann merkte ich, dass ich mich lieber ins richtige Leben stürzen will. Also löschte ich all diese Apps. Ging mit meinen Mädels in eine Bar und lernte einen tollen Typen kennen. Den ich aber am nächsten Tag gar nicht mehr so toll fand. Doch dieser Junge Mann war hartnäckig und irgendwann hab ich mich entschlossen, mich einfach mal auf das ganze einzulassen. Ein halbes Jahr später sind wir zusammen gezogen … aufs Land. Kompromisse muss man eingehen und man muss Eigenarten auch ablegen können. Das ist das Geheimnis. Nächstes Jahr heirate ich also mit 31 Jahren die Liebe meines Lebens und ich bin überglücklich.
    Es wird keiner kommen der gut genug ist – denn was heißt das eigentlich überhaupt? Aber ich sag dir, es wird einer kommen, der dich in irgendeiner Art und Weise berührt und da ist es völlig egal wie gut genug er ist!

  • Toll geschrieben! Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch nicht immer einfach ist…aber es kommt mir bekannt vor. Ich drücke dir die Daumen, dass es irgendwann doch klappt, und dich ein Typ einfach umhaut 🙂

  • Love the Sonntagstratsch ❤
    Bin mir ziemlich sicher, dass ein normaler Mann einen nicht mehr umhauen kann. Dafür, speziell in unserer Welt bekommt man viel zu viel Traumwelt vorgelebt, von der man zwar weiß dass sie und die Personen nicht wirklich existieren aber man trotzdem hofft, so jemandem zu begegnen! Manchmal muss man sich bewusst für eine Person entscheiden (wenn die Basis stimmt) ohne das ein super tolles Bauchgefühl da ist! Wenn man mehr Zeit miteinander verbringt dann kommt das von selbst! War zumindest bei mir immer so, Liebe auf den ersten, zweiten oder dritten Blick gibt es glaub ich nur noch in Ausnahmefällen 😀 mir ist es jedenfalls noch nie passiert, aber bin leider auch recht Gefühlskalt und war immer allein glücklich! Das machts nochmal schwerer ! Einfach mal ja sagen und schauen was passiert 🙂

  • Ein mehr wie toller Post! Er spricht mir sehr aus der Seele… Ich stimme deinem Text voll und ganz zu und bin auch der Meinung, dass Instagram und die scheinbar perfekten #couplegoals hier Illusionen projizieren, die eigentlich gar nicht relevant sind…

    Liebe Grüße und habt einen schönen Tag
    Ena von Just a swabian girl

  • Hi,
    ich versuche auch mal,meine Meinung als Mann hier mit einzubringen…

    Zwischendurch scheinst du das Problem erkannt zu haben,deine Erwartungshaltung an einen Mann,wie eine Checkliste,und wenn dann einer mal einen Punkt nicht erfüllt heisst es abhaken…
    Das ganze Problem mit tinder und co ist nicht,dass wir sozial verkommen,es ist eher die Erwartung,die viele daran stellen…man lernt jemand im Netz kennen,schreibt mit ihm und trifft sich vllt 2-3 mal,dann sollte es aber schon Prickeln,sonst kann man ja dem nächsten match ne Chance geben…vielleicht mal die Männer, die man trifft,nicht gleich als Mann des Lebens ansehen,sondern sich ernsthaft drauf einlassen,ihn kennenzulernen und auch sich selbst ein bisschen öffnen und präsentieren…aus eigener Erfahrung hab ich oft erlebt,wie Frauen nach dem Motto „beeindrucke mich,sonst bist du weg vom Fenster“ solche kennenlernen gestalten…mit der Methode findest du allerhöchstens den besten Luftschlossbauer,der dich mit einer masche austrickst und mit dem du wenig ernsthaftes erwarten kannst…